Das Meinungsmonopol der alten US-Mainstream-Medien ist gebrochen. Schuld sind die Neuen Medien. Allen voran das Internet, das uns Al Gore ja eigenhändig geflochten haben soll.
Aber auch AM-Talk-Radio, nicht gerade die neueste technologische Errungenschaft, hat die US-Medienlandschaft kräftig aufgemischt.
Das Resultat? Journalistische Standards sind für Sissis, objektive Berichterstattungen für die Tonne: Ring frei für Michael Moore, Al Franken, Daily Kos und Konsorten auf der linken Seite und Rush Limbaugh, Michael Savage und Fox News auf der rechten Seite.
Egal wo man hinsieht, hinhört, hinklickt – überall versuchen sich die Meinungsmacher mit allen Mitteln Gehör zu verschaffen. Mal mit List, mal mit Lautstärke. Der amerikanische Meinungskampf kennt keine Spielregeln mehr.
Das goldene Zeitalter des objektiven Journalismus ist vorbei - wenn es das denn je gegeben hat. Was in den USA früher von der handvoll Mainstream-Medien wie ABC, NBC, CBS, oder der New York Times über den Äther geschickt oder auf Papier gedruckt wurde, hat die Menschheit getrost für bare Münze genommen.
Heutzutage kann im Extremfall jeder seine eigene Meinung irgendwo in die Haifischbecken der Blogosphäre tröpfeln, um mit etwas Glück Zeuge einer Fressorgie zu werden, die dann paradoxerweise irgendwann von den Mainstream-Medien aufgeschnappt wird - verkehrte Welt. Das Nachrichten- und Meinungsmonopol der „alten” Medien wurde einfach zerrissen.
Und das hat irgendwie was.
„The War of Opinion is on” - und dabei scheinen wirklich alle Mittel Recht zu sein.
Im Land der unbegrenzten Meinungsäußerungen verläuft dieser Kampf besonders spektakulär.
Von Rush Limbaugh bis Ann Coulter und von Fox News bis Townhall.com – zurzeit scheint die politische Rechte im amerikanischen Meinungskampf die Oberhand zu haben.
Das wäre eigentlich nicht weiter schlimm, würde sein Ausgang nicht die gesamte Welt beeinflussen.
Wer zum Beispiel verstehen will, warum GIs durch Bagdad marschieren, wird an Rush Limbaugh nicht vorbeikommen. Seine Radiosendung manipuliert wöchentlich mehr als 13 Millionen gutgläubige Hörer.
Das Resultat: Seine treuen Apostel glauben, dass Saddam hinter 9/11 steckt, dass Schwule und Lesben die Zivilisation bedrohen, und dass sich das Klima, wenn überhaupt, nicht durch die Abgase aus überdimensionalen SUVs, sondern aus Kuhärschen erwärmt.
Die religiösen Meinungsführer, die meistens aus dem Camp der fundamentalen Christen stammen, stoßen besonders kräftig ins Horn (auch wenn sie das selber so wahrscheinlich nicht formulieren würden). Von denen wird aber schon mal verkündet, dass Hurrikane Kathrina Gottes gerechte Strafe für Abtreibungen und Sodomie gewesen sei.
Auf der anderen Seite des politischen Spektrums, versuchen die Linksliberalen auf ihre eigene Weise, Ideen an den Mann zu bringen. Mit Talk-Radio scheint ihnen das weniger zu gelingen, als beispielsweise mit Oskar-Preis-gekrönter Filmpropaganda à la Michael Moore, die eine üppige Portion cinematischer Manipulation serviert.
Ob Hollywood allerdings zu Recht den Titel der Bastion der Liberalen verdient, ist ebenso fraglich, wie die Behauptung, dass die Mainstream-Medien jahrzehntelang ja nur als Sprachrohr der Demokratischen Partei fungierten, und es jetzt endlich zu einem fairen Gleichgewicht der Berichterstattung käme. „Fair and Balanced” - Fox News lässt grüßen.
Keine Frage, wir befinden uns inmitten eines globalen Krieges gegen den Terrorismus. Wer es vor diesem Hintergrund versteht, die Massen auf seine Seite zu ziehen, der kann darüber mitbestimmen, wie dieser Krieg am besten geführt wird.
Der Meinungskampf ist weiß Gott kein Kindergeburtstag - obwohl der Geräuschpegel manchmal stark daran erinnert.
Schon die Gladiatoren des Römischen Reiches mussten sich ständig gegenseitig mit neuen, immer spektakuläreren Waffen oder Techniken überbieten, um dem blutrünstige Publikum überhaupt noch ein gelangweiltes Gähnen entlocken zu können.
Genauso ist es heutzutage mit den Opinion Gladiators.
Wer vom reizüberfluteten Publikum überhaupt wahrgenommen werden will, muss sich inzwischen schon was einfallen lassen. Das Ergebnis ist in vielen Fällen an Absurdität schlecht zu überbieten.
So weiß zum Beispiel TV-Evangelist Pat Robertson, dass die liberalen Richter des obersten Gerichtshofes eine größere Gefahr für die USA darstellen, als Al Qaida, Nazideutschland oder der Amerikanische Bürgerkrieg. Die Kolumnistin Ann Coulter bedauert, dass Timothy McVeigh, der Attentäter von Oklahoma City, nicht das Gebäude der liberalen New York Times im Visier hatte. Und Radio-Host und Homophob par excellence Michael Savage wünscht einem Anrufer aus San Francisco, dass er an Aids verreckt.
Ob das Demokratie in vollendeter Form ist, bleibt offen. Aber für Spannung und Unterhaltung ist erstmal gesorgt.
RUSHBO berichtet live aus der Arena der Opinion Gladiators.